Im Dienste der Wissenschaft: Kuh im Pool

Landwirt Lemkuhle und Tierarzt Dr. Wiesmoeller

Mit einer ganz außergewöhnlichen Geschichte schafft es Willy Lemkuhle heute in die Kategorie “Poolstory”. Willy Lemkuhle ist Landwirt und hält rund 80 Kühe auf seinem Hof in der ostholsteinischen Schweiz. Idyllisch gelegen in der Nähe der Ostsee bewirtschaftet er seinen Hof seit mehr als 20 Jahren zusammen mit seiner Frau Luise. Was das mit planschbecken.de zu tun hat, lesen Sie in unser heutigen “Pool-Story”.

Olaf Schwanke: Hr. Lemkuhle als Sie mir am Telefon sagten, dass Sie von unseren Poolstories gehört haben und dass Sie regelmäßig immer eine Kuh in unseren Pools baden lassen, habe ich nach dem ersten Lachanfall eigentlich auflegen wollen. Hätten Sie nicht sofort begonnen den wissenschaftlichen Hintergrund zu erklären, hätte ich dies wohl auch getan. Bitte erzählen Sie unseren Lesern, was genau hinter dieser Geschichte steckt.

Landwirt Lemkuhle und seine Frau Luise halten rund 80 Kühe

Willy Lemkuhle: Das mache ich gern. Es ist tatsächlich so, dass ich eine Probandengruppe aus unserem Milchkuhbestand unter Leitung der Hochschule für Landwirtschaft in Kiel und im Beisein unseres Tierarztes Hr. Dr. Wiesmöller dort baden lasse.

Olaf Schwanke: Eins nach dem anderen. Wie ist es dazu gekommen und wo liegt das wissenschaftliche Motiv?

Willy Lemkuhle: Also, es began alles mit Erna. Erna ist seit 5 Jahren die mit Abstand beste Milchkuh in unserem Stall. Eines Tages jedoch sank die Milchmenge dieser
Kuh plötzlich um etwa 50% und das Tier sah auch irgendwie unzufrieden aus. Der zur Hilfe bestellte Tierarzt konnte keine genaue Diagnose stellen – es gab Verdachtsmomente eines Burn-Out-Syndroms, dies konnte aber nicht restlos bestätigt werden. Im Internet habe ich nach Tipps und Erfahrungen anderer Landwirte aus der Milchviehzucht recherchiert, um dem Tier zu helfen. Gelesen habe ich z.B., dass man mit Musik die Laune und auch damit den Milchertrag je Tier erheblich steigern könnte. Leider hatte dies nicht den gewünschten Erfolg gebracht – plötzlich ging die Milchleistung im ganzen Stall deutlich nach unten; es kann auch an dem falschen Radiosender gelegen haben.

Olaf schwanke: Was passierte dann?

Willy Lemkuhle: Ich habe mit unserem Tierarzt Hr. Dr. Wiesmöller darüber gesprochen. Unser Tierarzt ist gleichzeitig wissenschaftlicher Mitarbeiter und Dozent der Hochschule für Landwirtschaft in Kiel. Im Rahmen dieser Funktion führt er einen Großversuch mit Milchtieren durch – hier werden die Auswirkungen der eigenen Körpermasse einer Milchkuh auf die quantitative Milchproduktion nach gaußscher Verteilung ins Verhältnis gestellt. Bei einer quasi “schwerelose Kuh” (wie z.B. im Wasser) ist die Milchproduktion, soweit die Theorie, etwa 50-70% höher. Das hat mich natürlich interessiert. Da wir über einen repräsentativ großen Kuhbestand verfügen, kamen wir für dieses durch EU-Mittel geförderte Projekt in Frage.

Olaf Schwanke: Das kann ich nachvollziehen. Wie aber setzen Sie das ganze organisatorisch um?

Willy Lemkuhle: Die Kuh wird in einen extra für diese Studie angefertigten Neoprenanzug gesteckt und mit einer Hebevorichtung an einem Frontlader in einen Quick-up-Pool gelassen. Unterhalb der Achseln sind zusätzlich 4 Auftriebkörper in den Neoprenanzug eingearbeitet, damit das Tier wirklich schwimmt und kaum den Boden berührt.

Olaf Schwanke: Haben die Kühe da nicht besondere Angst?

Willy Lemkuhle: Die Kühe haben mittlerweile gar keine Angst mehr davor und freuen sich regelrecht auf das “Badeerlebnis”. Sobald ich mit dem Neoprenanzug den Stall betrete ist die Vorfreude den Tieren buchstäblich ins Gesicht geschrieben. Ist die Kuh einmal im Wasser des Pools und treibt quasi schwerelos, dann ist das für viele Kühe ein sehr entspannendes Erlebnis – die Tiere sind in jedem Fall ausgeglichener.

Kuh Erna bei Wasseranwendungen im Pool

Olaf Schwanke: “Schwebt” die Kuh dann nur so in dem Pool herum? Es werden dann doch sicher irgendwelche Experimente oder wissenschaftliche Dokumentationen erstellt?

Willy Lemkuhle: Ja, natürlich. Wir haben extra eine Gegenstromanlage in den Pool montiert, die die Kühe in Bewegung hält und eine Art Schwimmreflex bei den Tieren auslöst. Zusätzlich beschallen wir die Poolanlage noch mit leiser Entspannungsmusik. Es werden dann durch den Projektleiter Hr. Wiesmöller und seinem Forschungsteam ständig die Vitalfunktionen überwacht und ausgewertet. Die Tiere sind während der Anwendung absolut tiefenenstpannt.

Olaf Schwanke: Es gibt also keine gesundheitlichen Bedenken bei dieser Pool-Therapie?

Willy Lemkuhle: Nein, die gibt es nicht. Wichtig ist, dass die Kuh sicheren Halt im Pool hat und der PH-Wert des Wassers genau eingestellt ist. Eine Sache ist ausserdem enorm wichtig: Die Kühe bekommen vor jedem Badegang eine Art Badekappe aufgesetzt, die die Kuhohren vor eindringendem Wasser schützen soll. Gerade die Temperaturunterschiede zwischen unserer Pool-Außenanlage und dem Stall sind doch in den Morgenstunden erheblich – hier droht ohne Badekappe eine Mittelohrentzündung.

Olaf Schwanke: Hat der Badevorgang auf Anhieb geklappt, oder gab es auch Probleme bei der Durchführung?

Willy Lemkuhle: Ja, es gab eine ganze Reihe von Problemen wie Sie sich vorstellen können. Das schwierigste war, dass die Tiere natürlich auch im Pool Ihre Exkremente hinterließen. Das dadurch verunreinigte Wasser wird nach jedem Badegang durch speziell ausgebildete Taucher des Kampfmittelräumdienstes gereinigt, da nur diese Fachleute entspr. Ausrüstung vorhalten können. Wir versuchen jetzt vor jedem Badegang mit der Kuh noch einige Runden über die Wiese zu spazieren. Die Kühe haben sich weitestgehend darauf eingestellt dieses Bedürfnis vor dem Badegang zu erledigen – Kühe sind im Grunde sehr intelligente Tiere.

Kühe werden vor dem Baden im Pool noch ausgeführt

Olaf Schwanke: Für diese Zwecke haben Sie einen Quick-up-Pool Manhattan mit einer Größe von rund 9,70 x 3,6 m bei Planschbecken.de angeschafft. Zum Schluss möchte ich Ihnen noch eine letzte Frage stellen: Waren Sie mit unserem Kundenservice zufrieden, oder können wir uns noch verbessern?

Willy Lemkuhle: Der Kollege am Telefon war sehr nett und konnte uns im Vorfeld schon viele Fragen zu den Maßen des Pools geben und somit konnten wir die richtige Größe auswählen. Auch haben wir die Materialbeschaffenheit noch einmal auf Eignung getestet. Die Lieferung hat dann auch ganz gut geklappt.

Olaf Schwanke: Vielen Dank für diese wirklich außergewöhnliche Poolstory.

Willy Lemkuhle: Gern geschehen, bis bald.

3 Gedanken zu “Im Dienste der Wissenschaft: Kuh im Pool

  1. Ich hoffe die Milchproduktion hat sich durch diese Aktion wieder gesteigert?!
    Wenn das auf alle Tiere projezierbar ist, dann können Sie ja froh sein, dass Dinosaurier ausgestorben sind…. :-)

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